| Kyrgyzstan:
wo der Himmel die Erde berührt
Strastvuitje!
So
- nun hätten wir Kyrgyzstan also auch gesehen. Und gleich vorweg:
das Land hat unsere Erwartungen mehr als erfüllt!
Nach
der langen Reise quer durch Zentralasien blieben wir erst mal einige
Tage in Bishkek, der Hauptstadt Kyrgyzstans, liessen es uns gut
gehen, genossen die Zivilisation und die europäische Küche (3x
Raclette, 1x Chäsrösti, 1x Pizza).
Ja,
das essen war während der ganzen Reise ein zentrales Thema: nach
der wirklich einmalig guten georgischen Küche wurde der Speiseplan
Richtung Osten immer eintöniger und das Schafsfleisch fettiger.
In
Kyrgyzstan hat ein gutes Stück Fleisch vor allem viel Fett,
schliesslich nährt das auch ordentlich. Und als Gast bekommt man
natürlich immer das beste Stück. Unvorstellbar, dass wir die
mageren, zarten Stücke vorziehen.
Überhaupt
ist es faszinierend, wie so ein Schaf verwertet wird. Die Knochen
werden bis auf die letzte Fleischfaser abgeschabt; da bleibt nicht
mal mehr für die Hunde was übrig. Gegessen wird mit Ausnahme des
Felles und der Knochen restlos alles - die Augen gelten als
Delikatesse... Aber zum Glück haben hier die Russen auch
kulinarisch ihre Spuren hinterlassen.
Das
wohl eindrücklichste Erlebnis während der ganzen Reise war dann
ein fünftägiger Trip mit Pferden zum Song Kul, ein See auf über
3000 Meter. Vorbei an unzähligen Nomadenfamilien mit ihren Schafen,
Kühen und Pferden ritten wir durch einmalig schöne Landschaften.
So stellt man sich Kyrgyzstan vor! Dann blieben wir noch zwei Tage
bei einer Nomadenfamilie am See und bekamen einen kleinen Einblick
in deren Leben.
Einzig
das Reiten selbst war so eine Sache. Wer sich nicht vorstellen kann,
wie ich mich nach acht Stunden im Sattel gefühlt habe, kann sich ja
mal von einem Lastwagen überfahren lassen.
Auch
unsere Führer - zwei Kirgisen so um die 60 - waren Originale. Bei
jedem Nomadenzelt oder Jurte (Igluförmiges „Zelt“ mit einer
Holzkonstruktion) gab es einen Kumys-Stopp. Kumys ist das
kirgisische Nationalgetränk aus Stutenmilch. Die am Abend gemolkene
Milch wird in einem Ledersack rund 500 Mal gestampft. Über Nacht lässt
man sie gären und am nächsten Tag ist Kumys fertig. Es schmeckt säuerlich
und ist leicht alkoholhaltig.
Kumys
ist wie Bier: das erste schmeckt überhaupt nicht, dann trinkt
man’s immer öfter, irgendwann hat man es gerne und manchmal
erwischt man auch zuviel davon; aber zum Frühstück auf den leeren
Magen kann man es nicht ausstehen!
Der
zweite Trip führte zum Yssyk Kul. Dieser See liegt auf 1600m und
ist mit einigen 1'000 Quadratkilometern nicht gerade klein. Leider
spielte da das Wetter nicht mehr richtig mit, denn auch in
Kyrgyzstan wird’s langsam Herbst. Der erste Tag war noch in
Ordnung und wir legten uns an den Sandstrand! Das muss man gesehen
haben: ein See mit tiefblauem Wasser und langen Sandstränden, im
Hintergrund schneebedeckte Fünf- und Sechstausender.
Eine
geplante Bergtour fiel einem Gewitter zum Opfer und es gab am
Nachmittag nur einen gemütlichen fünfstündigen Spaziergang auf
einen Hügel oberhalb des Sees. Danach liessen wir uns in den Osten
des Sees fahren, wo wir bei einer russischen Familie drei Tage zu
Gast waren. Wir wohnten am Fusse eines einzigartigen, knallroten
Felsbandes. Überhaupt ist die Gegend dort sehr schön. Vor allem
jetzt im Herbst, da es eine der waldreichsten Gegenden Kyrgyzstans
ist. Auch hier liess ich mich zu einem eintägigen Reitausflug
motivieren.
Bevor
wir uns dann in einer neunstündigen Busfahrt wieder nach Bishkek
fahren liessen, besuchten wir noch einen grossen Viehmarkt. Wie dort
die Schafe begutachtet werden, ist eine Show für sich: denen wird
erst mal an den Rippen und am Hintern rumgedrückt und die fettesten
Schafe erzielen die höchsten Preise - somit wären wir wieder beim
Thema...
Das
war’s dann auch schon mit Kyrgyzstan. Wir sind beide begeistert
von Land und Leuten und sind überzeugt, es mal wieder zu besuchen.
Zu sehen und zu erleben gibt es noch vieles. Und
da Kyrgyzstan die letzte Etappe unserer Reise war, ist auch unsere
dreimonatige Reise schon zu Ende. Vorgestern sind wir zurückgeflogen
und am Abend in der Schweiz gelandet.
Somit
ist das auch der letzte Reisebericht. Ich hoffe, dass sie
interessant waren und unsere Eindrücke und Erlebnisse ein bisschen
vermitteln konnten. Herzlichen Dank auch für die vielen Reaktionen,
auf die ich leider nicht immer antworten konnte.
Vielleicht
noch eine Antwort auf eine Frage, die in den letzten Wochen oft
gestellt wurde, nämlich, wie sich die Terroranschläge und die
geplanten Vergeltungsschläge auf unsere Reisepläne auswirken und
ob wir etwas davon gemerkt hätten:
Natürlich
haben wir von den tragischen Ereignissen erfahren und unter der Bevölkerung
wird viel spekuliert. Aber gefährdet waren weder wir noch unsere
Reisepläne, da wir zu dem Zeitpunkt bereits im Norden Kyrgyzstans
waren. Zwar schicken vor allem die Amerikaner viele ihrer Leute nach
Hause und auch offizielle Schweizerdelegationen blieben in der
Schweiz, aber das liegt eher daran, dass niemand eine Verantwortung
übernehmen will, falls dann doch irgend etwas passieren sollte.
Kriegerische Auseinandersetzungen werden jedenfalls nicht erwartet,
aber z.B. Geiselnahmen sind natürlich nicht auszuschliessen.
Anders
wäre es sicher gewesen, wenn wir noch in Turkmenistan oder
Usbekistan gewesen wären, da diese Länder an Afghanistan grenzen
und sie den USA Unterstützung zugesagt haben. Deshalb haben sie die
Grenzen mehr oder weniger dicht gemacht.
So
- das war’s!
Liebe
Grüsse
Thomas Lüthi
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