| Entlang
der Seidenstrasse quer durch Zentralasien
Salam
aleykum!
Nein
- wir haben uns (noch) nicht verirrt. Da die meisten
zentralasiatischen Sprachen irgendwie mit dem Türkischen verwandt
sind, begrüsst man sich hier so. Ein positiver türkischer Einfluss
ist zudem, dass in Zentralasien in grossen Mengen Tee getrunken wird
- der Vodka kommt erst an zweiter Stelle...
Zu
unserer Reise:
Georgien haben wir mit dem Nachtzug Richtung Baku (Aserbaidschan)
verlassen. Hier war es wichtig, das Ticket nicht am Schalter,
sondern direkt beim Kondukteur zu kaufen. Schliesslich muss der auch
von was leben!
In
Baku hatten wir nicht sehr viel Zeit. Wir besichtigten u.a. die Ölfelder,
was für uns sehr interessant, für unseren Fahrer jedoch unverständlich
war. Optisch ist es wirklich nichts schönes. Hier wurde aber
weltweit als erstes industriell Öl gefördert, weshalb das aus
unserer Sicht ein Besuch wert war.
Mit
der Fähre ging es dann weiter über das Kaspische Meer nach
Turkmenistan. Das Problem war hier die Ticketbeschaffung. Ein
Hafenpolizist hat dann schliesslich für uns alles organisiert: für
je 50 Dollar bekamen wir Überfahrt und Kakerlaken-Kabine eines
Matrosen. Wie viel der Kapitän für die Fahrt, der Matrose für
seine Kabine und der Polizist für seine Dienstleistung bekam,
bleibt offen - die Fährgesellschaft har sicher nicht viel an uns
verdient...
Nach
dem langwierigen Einreiseprozedere - es soll mal wer eine in
kyrillischer Schrift und turkmenischer Sprache geschriebene
Zolldeklaration ausfüllen - durften wir dann einreisen. Und von
Turkmenistan sind wir mehr als nur positiv überrascht! Das Volk ist
extrem gastfreundlich und hilfsbereit.
Nach
zwei Badetagen am Kaspischen Meer charterten wir Ludmilla, eine 1.9m
grosse und 120kg schwere, rothaarige russische Lawine, die uns mit
ihrem Lada für 30 Dollar 600 km quer durch die turkmenische Wüste
nach Asghabat brachte. Asghabat ist der Wahnsinn: mitten in der Wüste
eine grüne topmoderne Stadt. Und mittendrin auf einem riesigen Turm
eine goldige Statue des Präsidenten, die sich nach der Sonne dreht.
Von
da fuhren wir mit dem Nachtzug weiter an die Grenze. Vor der Abfahrt
gab es noch ein paar hektische Minuten, weil ich versucht habe, den
Zug zu fotografieren - doch alte, rostige Züge sind hier militärisch
hochsensible Objekte! Nach ein paar lauten Worten, einigen Päckli
Marlboro und Villiger-Stümpen und einem Lobgesang auf das schöne
Turkmenistan und dass man doch gerne ein paar Fotos von diesem
wunderbaren Land mit nach Hause nehmen möchte, gelang es uns, den
Film zu retten.
Interessant
war auch die Zugfahrt über die Grenze. Unglaublich, was da alles
geschmuggelt wurde, vor allem Benzin und Zigaretten. Pro forma wurde
von den Zöllnern der eine oder andere Plastiksack aus dem Zug
geworfen, der Rest blieb im Zug. Nach der Grenze haben die Zöllner
dann günstig Zigaretten eingekauft...
So
kamen wir nach Usbekistan. Da gibt es vor allem Städte zu
besichtigen. Dummerweise haben wir grad mit der schönsten - Buchara
- angefangen, so dass wir von Samarkand und Taschkent nicht mehr so
begeistert sind. Einzig Chiwa (südlich des Aralsees) war wieder
etwas wirklich spezielles. Das
Sehenswerte an Usbekistan sind die riesigen Moscheen, Medressen und
Minarette. Beschreiben kann ich die nicht, die muss man gesehen
haben - die Fotos sprechen für sich!
Im
berühmt-berüchtigten Ferganatal besichtigten wir eine
Seidenfabrik, in der nach alter Tradition Seide hergestellt und
verarbeitet wird. Das unglaubliche daran ist, dass zuerst die Seide
- also die Fäden - eingefärbt werden und erst dann gewoben wird.
Trotzdem entsteht so das gewünschte Farbmuster.
Von
da ging es dann endlich nach Kyrgyzstan. Einen Tag blieben wir in
Osh (im Süden nahe des Dreiländereckes Kyrgyzstan-Usbekistan-Tajikistan),
dann liessen wir uns über die Berge nach Bishkek (Hauptstadt)
fahren, wo wir am Freitag von Kurt, einem Tech.-Kollegen von mir,
und seiner Familie herzlich begrüsst wurden.
Was
wir bis jetzt von Kyrgyzstan gesehen haben, hat unsere Erwartungen erfüllt
und wir freuen uns auf die nächsten Wochen! Und nach der langen
Reise durch Zentralasien mit fast allen möglichen Verkehrsmitteln
brauchen wir endlich auch wieder etwas Bewegung! Aber davon dann
mehr im nächsten Mail!
Liebe
Grüsse aus Bishkek
Thomas Lüthi
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