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Thomas Lüthi

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Entlang der Seidenstrasse quer durch Zentralasien

 

Salam aleykum!

Nein - wir haben uns (noch) nicht verirrt. Da die meisten zentralasiatischen Sprachen irgendwie mit dem Türkischen verwandt sind, begrüsst man sich hier so. Ein positiver türkischer Einfluss ist zudem, dass in Zentralasien in grossen Mengen Tee getrunken wird - der Vodka kommt erst an zweiter Stelle...

Zu unserer Reise:
Georgien haben wir mit dem Nachtzug Richtung Baku (Aserbaidschan) verlassen. Hier war es wichtig, das Ticket nicht am Schalter, sondern direkt beim Kondukteur zu kaufen. Schliesslich muss der auch von was leben!

In Baku hatten wir nicht sehr viel Zeit. Wir besichtigten u.a. die Ölfelder, was für uns sehr interessant, für unseren Fahrer jedoch unverständlich war. Optisch ist es wirklich nichts schönes. Hier wurde aber weltweit als erstes industriell Öl gefördert, weshalb das aus unserer Sicht ein Besuch wert war.

Mit der Fähre ging es dann weiter über das Kaspische Meer nach Turkmenistan. Das Problem war hier die Ticketbeschaffung. Ein Hafenpolizist hat dann schliesslich für uns alles organisiert: für je 50 Dollar bekamen wir Überfahrt und Kakerlaken-Kabine eines Matrosen. Wie viel der Kapitän für die Fahrt, der Matrose für seine Kabine und der Polizist für seine Dienstleistung bekam, bleibt offen - die Fährgesellschaft har sicher nicht viel an uns verdient...

Nach dem langwierigen Einreiseprozedere - es soll mal wer eine in kyrillischer Schrift und turkmenischer Sprache geschriebene Zolldeklaration ausfüllen - durften wir dann einreisen. Und von Turkmenistan sind wir mehr als nur positiv überrascht! Das Volk ist extrem gastfreundlich und hilfsbereit.

Nach zwei Badetagen am Kaspischen Meer charterten wir Ludmilla, eine 1.9m grosse und 120kg schwere, rothaarige russische Lawine, die uns mit ihrem Lada für 30 Dollar 600 km quer durch die turkmenische Wüste nach Asghabat brachte. Asghabat ist der Wahnsinn: mitten in der Wüste eine grüne topmoderne Stadt. Und mittendrin auf einem riesigen Turm eine goldige Statue des Präsidenten, die sich nach der Sonne dreht.

Von da fuhren wir mit dem Nachtzug weiter an die Grenze. Vor der Abfahrt gab es noch ein paar hektische Minuten, weil ich versucht habe, den Zug zu fotografieren - doch alte, rostige Züge sind hier militärisch hochsensible Objekte! Nach ein paar lauten Worten, einigen Päckli Marlboro und Villiger-Stümpen und einem Lobgesang auf das schöne Turkmenistan und dass man doch gerne ein paar Fotos von diesem wunderbaren Land mit nach Hause nehmen möchte, gelang es uns, den Film zu retten.

Interessant war auch die Zugfahrt über die Grenze. Unglaublich, was da alles geschmuggelt wurde, vor allem Benzin und Zigaretten. Pro forma wurde von den Zöllnern der eine oder andere Plastiksack aus dem Zug geworfen, der Rest blieb im Zug. Nach der Grenze haben die Zöllner dann günstig Zigaretten eingekauft...

So kamen wir nach Usbekistan. Da gibt es vor allem Städte zu besichtigen. Dummerweise haben wir grad mit der schönsten - Buchara - angefangen, so dass wir von Samarkand und Taschkent nicht mehr so begeistert sind. Einzig Chiwa (südlich des Aralsees) war wieder etwas wirklich spezielles. Das Sehenswerte an Usbekistan sind die riesigen Moscheen, Medressen und Minarette. Beschreiben kann ich die nicht, die muss man gesehen haben - die Fotos sprechen für sich!

Im berühmt-berüchtigten Ferganatal besichtigten wir eine Seidenfabrik, in der nach alter Tradition Seide hergestellt und verarbeitet wird. Das unglaubliche daran ist, dass zuerst die Seide - also die Fäden - eingefärbt werden und erst dann gewoben wird. Trotzdem entsteht so das gewünschte Farbmuster.

Von da ging es dann endlich nach Kyrgyzstan. Einen Tag blieben wir in Osh (im Süden nahe des Dreiländereckes Kyrgyzstan-Usbekistan-Tajikistan), dann liessen wir uns über die Berge nach Bishkek (Hauptstadt) fahren, wo wir am Freitag von Kurt, einem Tech.-Kollegen von mir, und seiner Familie herzlich begrüsst wurden.

Was wir bis jetzt von Kyrgyzstan gesehen haben, hat unsere Erwartungen erfüllt und wir freuen uns auf die nächsten Wochen! Und nach der langen Reise durch Zentralasien mit fast allen möglichen Verkehrsmitteln brauchen wir endlich auch wieder etwas Bewegung! Aber davon dann mehr im nächsten Mail!

Liebe Grüsse aus Bishkek
Thomas Lüthi

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