Begrüssung


Anreise

Georgien

Aserbaidschan

Turkmenistan

Usbekistan

Kyrgyzstan


Links

E-Mail


(c) 2002
Thomas Lüthi

Besucher Nr.
 WEBCounter by GOWEB

 

Georgien - Land der Gegensätze

 

Hallo Schweiz!

Jetzt, da unser einmonatiger Georgienaufenthalt langsam zu Ende geht, haben wir natürlich wieder einiges zu erzählen. Wir haben ein Land kennen gelernt, das Gegensätzlicher nicht sein könnte - aber alles der Reihe nach:

Zuerst verbrachten wir einige Tage in Tbilisi (Hauptstadt) und liessen es uns gut gehen. Neben der üblichen Besichtigungen besuchten wir das Tbiliser Jazz-Festival, hatten zwei Tage ordentlich Probleme mit dem Verdauungsapparat und ich liess mich von einem Hund ins Bein beissen.

Wieder auf den Beinen, war unser erstes Ziel dann natürlich das Schwarze Meer, das wir wegen dem Ausfall unseres Autos bis jetzt noch nicht gesehen hatten. Geplant war ja, von der Türkei her entlang dem Schwarzen Meer nach Georgien zu fahren.

Danach ging's ein erstes Mal in den Kaukasus. In Sovi im Bezirk Ratscha bezogen wir eine Baracke eines ehemaligen sowjetischen Sanatoriums. Endlich mal wieder angenehme Temperaturen auf 1800m - und endlich wieder etwas Bewegung bei einer Bergtour.

Das Länderspiel Georgien-Schweiz gewinnen wir 10:7 (besten Dank an unsere Georgische Verstärkung...!).

Nach dem Besuch des Höhlenklosters Dawit Gareja südöstlich von Tbilisi (in einer einzigartigen wüsten/steppen-ähnlichen Gegend), einem Georgischen Kochkurs und dem Besuch des hiesigen "Ballenberg" wurde unser Programm dann über den Haufen geworfen: Thiller hat Grippe und ordentlich Fieber.

Um der Hitze zu entfliehen ging ich ins Schwimmbad - da kommt man aber nur mit einem gesundheitlichen Gutachten rein. Den drei Monate gültigen Ausweis bekommt man, indem man seine Füsse zeigt, sowie 5 Franken und ein Passfoto abliefert.

Am letzten Montag fuhren wir dann in den Nationalpark Lagodechi, ganz im Osten Georgiens. Nach einer ersten gemütlichen Wanderung zu einem Wasserfall traf das ein, wovor ich mich die ganze Zeit gefürchtet hatte: wir machten einen zweitägigen Ausflug mit Pferden... Trotzdem hat es mir gefallen. Leider waren fast keine Tiere zu sehen - es soll Bären, Wölfe, Luchse, Steinböcke, Wildschweine, Gemsen und Hirsche haben - die haben aber scheinbar nicht gewusst, das wir kommen.

Das war's bisher. Heute Abend fahren wir auf der Heeresstrasse nach Kaspegi (Norden), morgen steigen wir zu einer Meteostation auf 3600m auf, übermorgen gibt es einen Viertausender zum Aufwärmen und dann geht's auf den Kaspek, den zweithöchsten Georgier (falls uns da oben die Luft nicht zu dünn wird).

Und dann verlassen wir Georgien mit dem Nachtzug Richtung Baku (Aserbaidschan) und reisen irgendwie weiter gegen Osten.

 

Noch ein paar Worte zu den anfangs erwähnten Gegensätzen:

Sehr gegensätzlich ist schon nur das Land selbst. Schönste Strände am Schwarzen Meer und zahlreiche Vier- und Fünftausender im Kaukasus, fruchtbare Gegenden im ganzen Land und wüsten-/steppenähnliche Gegenden im Südosten, gebirgige Waldlandschaften (die ans Hasli erinnern) im Norden und eher tropisch anmutende, endlos grosse Wälder im Osten.

Auch die vielbesungene georgische Gastfreundschaft ist voller Gegensätze. In der Öffentlichkeit wird gerempelt; sowohl zu Fuss als auch im Strassenverkehr hat der Stärkere grundsätzlich Vortritt, gegrüsst wird nicht, man schreit sich eher an. Ist man aber bei einer Familie zu Gast, ist alles wie verwandelt. Es wird alles getan, damit es dem Gast gut geht, die Frau stellt sich in die Küche und die Männer setzen sich mit dir an den Tisch und das Gelage geht los (böse Zungen behaupten, hier wären die Rollen noch richtig verteilt....!?).

Man "frisst" sich durch die Georgische Küche (die übrigens ein Wahnsinn ist!!!) und es wird ordentlich gebechert. Glücklicherweise nicht Wodka, sondern Wein. Aber einfach so Prost und ab und zu ein Schluck aus dem Glas ist nicht drin. Der Tamada (der Toastmaster) hält Trinksprüche auf Gott und den Glauben, auf den Gastgeber und natürlich auf die Gäste, auf die Abwesenden und an das Andenken der aus dem Leben geschiedenen, auf die Frauen (also wenigstens das, wenn sie schon in der Küche stehen müssen) und die Liebe, auf die Kinder und die Alten, auf die Heimat, die Freundschaft und den Frieden und so weiter und so weiter...

Und jedes Mal ein Glas ex! Zum Glück hat man als ausländischer Gast einen kleinen Bonus - es wird halbwegs entschuldigt, wenn man nicht jedes Glas leert!

Sowieso herrschen zwischen öffentlichem und privatem Leben grosse Unterschiede. Das eigene Haus, das eigene Auto - das ist heilig, dazu wird geschaut, geputzt, verbessert und verschönert. Für alles was aber öffentlich ist, ist niemand verantwortlich. Stromleitungen, Bewässerungskanäle, Unterführungen, Strassenlampen - wenn's kaputt ist, ist's halt so. Auch wenn man eh nichts zu tun hätte, geflickt wird nicht's.

Sehr gegensätzlich ist auch das Modebewusstsein: während sich die Frauen auch mit bescheidenen Mitteln herausputzen und sehr eitel sind (will man eine Gastfamilie fotografieren, rennt die sechsjährige Tochter genauso vor den Spiegel wie die 80jährige Babuschka), trägt der Mann meist abgetragene Trainerhosen und verschwitzte Hemden. Übrigens wiegt der durchschnittliche Georgier mindestens 120 Kilo - sehr ästhetisch wirkt das vor allem bei Polizisten, die am Strassenrand stehen und ihre Ranzen zwischen Hosen und Hemd herausschauen...

 

So - das wär's mal wieder. Hoffentlich kam etwas von der Begeisterung für Georgien rüber. Ich kann dieses Land wirklich allen empfehlen - wenn man sich nicht den Standard einer TUI- und Neckermann-Reise gewohnt ist...

Liebe Grüsse
Thomas Lüthi

--> zurück